Umbau des Lidl-Küchenradios zum externen RDS-Decoder
Im Sommer 2006 gab es beim Discounter "Lidl" ein einfaches Küchenradio für 15 Euro. Normalerweise ist solcher "Billigkram" für DXer völlig ungeeignet, allerdings wird dem aufmerksamen Leser eine Besonderheit dieses Billigradios jetzt schon aufgefallen sein:
Es hat einen RDS-Decoder!
Das ist in dieser Preisklasse wohl einmalig. Da nun das Radio Empfangsmäßig für DX-Zwecke nicht geeignet ist (obwohl es durchaus besser empfängt als viele andere Billigradios), bin ich auf die Idee gekommen, dass Radio als externen RDS-Decoder zu verwenden (z.B. hilfreich, wenn man zwar einen guten Tuner hat, der aber von Haus aus kein RDS empfangen kann).
Vor einiger Zeit gab es einen extra für solche Zwecke hergestellten externen RDS-Decoder von Conrad ("RDS-Manager"), da dieser aber schon lange nicht mehr erhältlich ist, bekommt man ihn allenfalls noch gebraucht zu viel zu hohen Preisen, daher ist diese "Lidl-RDS"-Variante wohl eine der günstigsten Möglichkeiten für einen externen RDS-Decoder.
Da man bei einem Preis von nur 15 Euro nichts falsch machen kann, hatte ich mir damals also einfach so ein Küchenradio gekauft, ohne wirklich zu wissen, ob das, was ich vorhatte, überhaupt in der Praxis machbar ist.
Es hat sich herausgestellt, dass es problemlos klappt und der Umbau so einfach ist, dass man eigentlich gar nicht von einem "Umbau" sprechen kann.
Jeder, der halbwegs löten kann, bekommt diesen Empfänger schnell zum RDS-Decoder umgebaut.

Genau so schnell und einfach ist der Umbau nachfolgend erklärt:

So sieht das noch "gesunde" Radio aus:


Nun entfernt man einfach den Deckel und findet folgendes Bild vor:


Jetzt wird man sich vielleicht erst mal fragen "Wie, das ist alles?", aber das ist für unseren "Umbau" egal ;-) ...
Mit dem eigentlichen Innenleben haben wir nichts weiter zu tun, unsere Modifikation findet auf der Bedienteilplatine (im Bild ganz unten) statt.

Dort muss man als nächstes eine Leiterbahn unterbrechen, was aber in diesem Fall völlig ohne Bohrer, Fräse oder ähnlichem geht.
Und zwar handelt es sich dabei um die zweite Lötbrücke von Links am Anschluss des Flachbandkabels. Man muss diesen Lötpunkt nur einmal kurz mit Entlötlitze oder Entlötpumpe bearbeiten, und schon ist die Verbindung genau an der Stelle unterbrochen, wo wir es für unsere Zwecke benötigen (für Techniker: durch die zweite Ader des Flachbandkabels wird das MPX-Signal vom Tuner zum RDS-Decoder übertragen. Da wir ja ein MPX-Signal eines anderen Tuners einspeisen möchten, "kappen" wir einfach die Verbindung über die Lötbrücke).
Nun sind wir auch fast schon fertig, als nächstes muss man nur noch ein NF-Kabel an dem nicht dem Flachbandkabel zugewandtem Lötpunkt anlöten, einen Masseanschluss für die Abschirmung des Kabels finden wir etwas weiter Links (siehe Bild).
Über dieses Kabel kann man nun das MPX-Signal eines beliebigen Tuners einspeisen, und sich eben den dazugehörigen RDS-PS auf dem Lidl-Radio ansehen. Und das sogar bei recht schlechtem Empfang oder nicht normherechtem RDS.
Eigentlich müsste man in die NF-Leitung noch einen kleinen Elko zur Gleichspannungsentkopplung einbauen, dieser Fehlt in meinem Bild jedoch, da es sich bei dem Bild noch um meinen ersten Versuch handelt, wo ich auf diesen Kondensator verzichtet habe (weil in diesem Fall  bereits das andere Ende der NF-Leitung entkoppelt war).
Nun kann man, wenn man unbedingt will noch die Leitungen schöner verlegen (also nicht so, wie in meinem Bild ;-)) --> Fertig!

Update: Inzwischen habe ich sogar eine PC-Schnitstelle nachgerüstet (was sich weitaus komplizierter anhört als es ist) so dass ich alle RDS-Daten per PC auslesen kann. Mehr dazu evtl. demnächst.



Anmerkung: Die beiden oberen Bilder hat mir freundlicherweise "Chief Wiggum" aus dem Radioforum zur Verfügung gestellt.